Montag, 19. Oktober
Eine Tierstudie an männlichen C57BL/6J-Mäusen untersuchte, wie Psilocin, der aktive Metabolit von Psilocybin, die zeitliche Wahrnehmung im Temporal Discrimination Task beeinflusst. Die Wirkung liess sich durch den 5-HT2A-Antagonisten M100907, nicht aber durch den 5-HT1A-Antagonisten WAY-100,635 blockieren. Zudem ahmte die Infusion von DOI in den medialen präfrontalen Kortex die systemische Wirkung nach, was auf eine Rolle dieser Hirnregion hindeutet.
Eine im American Journal of Psychiatry veröffentlichte Arbeit untersucht, ob niedrigdosiertes Buprenorphin die antisuizidalen Effekte einer Ketamininfusion bei schwerer depressiver Störung verlängert. Zudem wird der Zusammenhang zwischen antidepressiven und antisuizidalen Effekten betrachtet. Weitere Details sind nur der Überschrift zu entnehmen.
Ein Artikel im American Journal of Psychiatry untersucht Buprenorphin nach Ketamin bei Suizidgedanken. Laut Titel geht es um Dauerhaftigkeit, Spezifität und Confounding.
Der Titel stellt die Frage, ob eine Ketamin-Verlängerung oder eine Buprenorphin-Erhaltungstherapie gewählt werden sollte. Weitere Details sind nur als Überschrift verfügbar.
In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 196 Frauen wurde eine einmalige subanästhetische Esketamin-Gabe während der Narkoseeinleitung bei Oozytenentnahme untersucht. Die Häufigkeit postoperativer Schlafstörungen am dritten Tag war in der Esketamingruppe niedriger (13,06% vs. 24,90%), wobei das Ergebnis knapp signifikant war. Esketamin ist hier nicht psychiatrisch, sondern als Anästhetikum eingesetzt, die Autoren fordern grössere Folgestudien.
Diese Übersichtsarbeit im Journal of Neurotrauma beschreibt, wie Psychoplastogene wie Ketamin, Psilocybin und DMT die Neuroplastizität fördern könnten. Sie untersucht dies für chronische kognitive Defizite nach traumatischer Hirnverletzung, für die bislang keine wirksamen medikamentösen Therapien existieren. Die Autorinnen und Autoren sehen einen dringenden Forschungsbedarf in der chronischen Phase der Erkrankung.
Diese narrative Übersichtsarbeit im Fachjournal Current Neuropharmacology untersucht den Zusammenhang zwischen Depression und Schmerz sowie das mögliche therapeutische Potenzial von Psilocybin und Psilocin. Die Autorinnen und Autoren führten eine Visualisierungsanalyse der aktuellen Forschungslandschaft durch und betrachten Wirkmechanismen, unter anderem den Default Mode Network und die Rolle mystischer Erfahrungen.
Freitag, 16. Oktober
Eine Preprint-Studie mit 56 Personen untersuchte EEG-Aufnahmen vor und nach Psilocybin während Filmschauen, Ruhe mit geschlossenen Augen, geführter Meditation und Musik. Psilocybin verringerte die Alpha-Leistung im Ruhezustand, erhöhte die Gamma-Leistung und die Alpha-Peak-Frequenz. Strukturierte sensorische Reize veränderten diese Effekte je nach Kontext.
Eine Preprint-Studie auf bioRxiv untersuchte, wie die Psychedelika LSD und DMT die neurovaskuläre Kopplung im Ruhezustand verändern. Mithilfe eines Algorithmus zur blinden Dekonvolution des BOLD-Signals fanden die Autorinnen und Autoren in serotoninreichen Hirnregionen längere hämodynamische Verzögerungen unter beiden Substanzen. Die Ergebnisse legen nahe, dass vaskuläre Effekte bei künftigen Neuroimaging-Studien berücksichtigt werden sollten.
Eine noch nicht rekrutierende Phase-1-Studie der Johns Hopkins University untersucht die subjektiven und verhaltensbezogenen Effekte von Psilocybin im Vergleich zu Placebo und Alkohol. Im Fokus stehen Dosisabhängigkeit, Beeinträchtigung und Missbrauchspotenzial.
Eine präklinische Studie untersuchte das Disaccharid α,α-Trehalose aus Psilocybe cubensis in Tiermodellen für Angst und Depression. Die Substanz zeigte anxiolytische und antidepressivartige Effekte, die laut Autoren teilweise über 5-HT1A-Rezeptoren vermittelt sein könnten. Die Autoren sehen darin einen möglichen natürlichen Wirkstoff, psilocybin-unabhängig, für die Behandlung von Angst und Depression.
Eine anonyme Online-Umfrage unter 298 Psychiatrie-Fachpersonen in Frankreich (Dezember 2023 bis Januar 2024) untersuchte Wissen und Haltung zu Psychedelika. 53 Prozent bewerteten das therapeutische Nutzen-Risiko-Verhältnis als günstig, 61 Prozent den Freizeitgebrauch als gefährlich. Die Autorinnen und Autoren beschreiben eine vorsichtige, im internationalen Vergleich zurückhaltendere Offenheit, die stark von persönlicher und klinischer Erfahrung mit Ketamin geprägt ist.
Laut Titel untersucht die Studie, wie Ketamin synaptische und monoaminerge Strukturen in aus humanen iPSC gewonnenen Neuronen verändert. Weitere Details sind dem vorliegenden Headline-Text nicht zu entnehmen.
Mittwoch, 14. Oktober
Eine fMRT-Preprint-Studie untersuchte, ob eine stärkere Ähnlichkeit zwischen Probanden in sprachassoziierten Hirnregionen mit einem psilocybininduzierten Verlust des Selbst einhergeht. Teilnehmende erhielten 19 mg Psilocybin und wurden anhand des Ego Dissolution Inventory (N=43) bewertet, Vergleichsgruppen dienten Sehbildgebung (N=49) und Baseline. Unter Psilocybin zeigte sich ein linkslateralisiertes frontotemporales Netzwerk, das der Neurosynth-Sprachkarte ähnelt.
Eine Preprint-Studie untersucht die Meskalinkonzentration in kultivierten Trichocereus bridgesii-Pflanzen mittels UHPLC-ESI-MS/MS. Die Werte schwankten deutlich zwischen Sorten, Geweben und Stellen innerhalb einzelner Pflanzen, ohne konsistenten Gradienten entlang des Stamms. Die Autoren folgern, dass Einzelproben die Gesamtpflanze möglicherweise nicht zuverlässig abbilden.
Eine qualitative Studie mit 14 Patientinnen und Patienten sowie 10 Klinikerinnen und Klinikern in deutschen psychiatrischen Settings untersucht, was Sicherheitsgefühl bei (Es)ketamin-Behandlungen ermöglicht. Genannt werden therapeutische Präsenz, körperliche Erdung und strukturierte Unterstützung nach der Behandlung; Kliniker sehen Ketamin eher als Katalysator, Patienten eher als Linderung. Die Autoren leiten ethische Empfehlungen ab; die Studie ist explorativ.
Eine Mystery-Shopper-Studie prüfte 22 lizenzierte Servicezentren in Oregon, die zwischen Juli und September 2025 mit simulierten Anrufen und Website-Analysen untersucht wurden; 15 von 22 waren erreichbar. Keines erlaubte unbeaufsichtigten Konsum oder sofortige Dosierung ohne psychiatrische Abklärung, und niemand empfahl das Absetzen von Antidepressiva. Die Median-Kosten betrugen 1900 Dollar, und Interviews zeigten finanzielle Belastungen der Zentren.
Der Autor argumentiert, dass die psychedelische Forschung pharmakologische Variablen weit intensiver untersucht als erfahrungsbezogene und stellt dafür das Pharmakologie-Erfahrungs-Asymmetrie-Framework (PEAF) mit sechs Postulaten vor. Am Beispiel Musik zeigt eine Scoping Review 19 Arbeiten aus 10 Studien, von denen nur eine faktorielle Studie und ein Arm ohne Musik existieren. Daraus werden fünf testbare Vorhersagen abgeleitet.
Diese Übersichtsarbeit fasst Geschichte und Pharmakologie von Ibogain zusammen und bewertet sein therapeutisches Potenzial bei verschiedenen Substanzgebrauchsstörungen. Die bisherige Evidenz stammt vor allem aus kleinen Beobachtungsstudien und Fallberichten, insbesondere zur Opioidgebrauchsstörung. Die Autoren betonen kardiotoxische und neurologische Risiken sowie den Bedarf an standardisierten Protokollen und klinischen Studien.
Tierexperimentelle Studie an Mauszellen und weiblichen Mäusen untersuchte, wie Ibogain synaptische Plastizität und Nervenreparatur beeinflussen könnte. Ibogain unterdrückte in Kortexneuronen kurzfristig den Mitochondrienstoffwechsel und die Glykolyse, gefolgt von einer späteren Erholung der Energieproduktion. Die Autoren schlagen einen metabolischen Präkonditionierungsmechanismus vor, der möglicherweise mit Kv1.3-Kanälen und dem Sigma-2-Rezeptor zusammenhängt.
Dienstag, 13. Oktober
Eine geplante Phase-1/2a-Studie an einem Standort untersucht Sicherheit, Verträglichkeit und erste Wirkungen von überwachtem Ibogain mit zwölf Monaten Nachsorge bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Opioidgebrauchsstörung. Vorgesehen sind 60 Teilnehmende in drei Kohorten, darunter eine randomisierte Doppelblind-Gruppe gegen Naltrexon. Die Studie ist noch nicht rekrutierend und hat keinen IND-Antrag eingereicht.
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von sieben randomisierten kontrollierten Studien (N = 346) untersuchte Zusatzstrategien zu intravenösem Ketamin bei therapieresistenter Depression. Die Zusätze zeigten gegenüber den Kontrollbedingungen keinen statistisch signifikanten Zusatznutzen (SMD = -0.12; 95%-KI -0.37 bis 0.12). Die Autoren halten die Evidenz für zu schwach, um Augmentation routinemässig zu empfehlen.
Eine Tierstudie untersuchte, ob ein Phosphodiesterase-9-Hemmer (PDE9i) die wahrnehmungsbezogenen Effekte von Psilocybin bei Nagetieren verringert. Der hemmende Wirkstoff reduzierte das Kopfzucken als Mass für die 5-HT₂A-Rezeptor-Aktivierung, während die antidepressiv ähnliche Wirkung erhalten blieb. Zudem veränderte die Kombination Signalwege im synaptischen Proteom.
Mit simultaner PET-MRT untersuchte eine Studie bei sieben gesunden Freiwilligen, die die LSD-Dosis nicht kannten, die Wirkungen von LSD im Gehirn. LSD besetzte 5-HT2A-Rezeptoren mit hoher Affinität, erhöhte den globalen zerebralen Blutfluss und verringerte die globale Konnektivität. Die Ergebnisse zeigen Unterschiede zu Psilocybin, das in einer separaten Kohorte von 25 Teilnehmenden untersucht wurde.
Eine Tierstudie an männlichen Wistar-Ratten untersuchte, wie Ayahuasca (60 mg/kg oral) die Rekonsolidierung von Furchtgedächtnissen beeinflusst. Die Behandlung reduzierte das Erstarrungsverhalten und ging mit mehr dendritischen Dornen im Hippocampus und präfrontalen prälimbischen Kortex einher, während die Neurogenese unverändert blieb. Die Ergebnisse deuten auf rasche synaptische Umbauprozesse als Grundlage der Wirkung hin.
Eine Tierstudie an Ratten untersuchte akute und verzögerte Effekte von Psilocybin und seinem vermutlich nicht halluzinogenen Analogon Norbaeocystin auf angstähnliches Verhalten. Psilocybin wirkte kurzzeitig angstfördernd, bei Männchen auch Norbaeocystin; die Effekte waren dosis- und geschlechtsabhängig und vom Östruszyklus unabhängig. Die Ergebnisse könnten die Entwicklung neuer Therapeutika informieren.
In einer Studie an männlichen Sprague-Dawley-Ratten mit Selbstverabreichungsmodell untersuchten Forschende, ob Hericium-erinaceus-Myzel und Erinacin A die verstärkende Wirkung von Ketamin verringern. Bei höheren Dosen reduzierten beide Substanzen Ketaminkonsum und Motivation; das Myzel beeinflusste die Futterbelohnung nicht, Erinacin A hingegen schon. Die Ergebnisse könnten auf einen möglichen Zusatz zur Minderung des Missbrauchsrisikos bei Ketamintherapie hinweisen.
Eine qualitative Studie mit 48 Tiefeninterviews untersucht, wie Menschen nach als herausfordernd erlebten psychedelischen Erfahrungen im nicht-klinischen Rahmen Trauma-Deutungen nutzen. Die Autorinnen und Autoren identifizieren fünf Muster therapeutischer Sinnstiftung und zeigen, dass der Trauma-Diskurs bei fehlender fachlicher Kontrolle Authentizitätsprobleme erzeugen kann.